Geschichtliches - Samichlaus Kloten

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Geschichtliches zum St. Nikolaus
Jahr für Jahr wird St. Nikolaus an vielen Orten auf unterschiedlichste Art lebendig. Ob im Bischofsornat oder pelzbesetzten Mantel, ob als Väterchen Frost, Weihnachtsmann oder Santa Claus - hinter allen Erscheinungsformen steckt die faszinierende Figur des Heiligen Nikolaus. Er verändert sich, nimmt viele Gesichter an und bleibt doch immer Nikolaus der Gute, der hilfreiche Freund der Menschen. Seine Liebe, Fürsorge und Geduld für seine Mitmenschen lebt in unserer Zeit weiter und sorgt dafür, dass dieser Mythos alljährlich wieder zu einer lebendigen Person werden kann. Wer war dieser Mann, den wir rund 1600 Jahre nach seinem Tod immer noch verehren? Die Kirchengeschichte kennt zwei Personen, welche den Namen Nikolaus trugen:

Nikolaus, Bischof von Myra
Geboren in Patera - Türkei. Er wurde aufgrund seiner guten Taten und Wunder bereits zu Lebzeiten verehrt. Er starb vermutlich am 6. Dezember 343. Seine Gebeine befinden sich heute in Bari - Italien. Gemäss Meinung der Geschichtsforscher führen unsere heutigen Bräuche auf diesen Nikolaus zurück.

Nikolaus, Abt von Sion, Bischof von Pinora
Auch dieser Nikolaus fiel durch seine guten Taten auf und galt bereits zu Lebzeiten als frommer Mensch. Er starb am 10. Dezember 564. Durch die Chronisten wurden vermutlich einige seiner Taten in die Vitae des St. Nikolaus übernommen.
Die Figur des Nikolaus und seine Taten haben immer wieder Geschichtsforscher veranlasst, Nachforschungen über diese faszinierende Gestalt anzustellen. Eine Vielzahl von Büchern und wissenschaftlichen Arbeiten wurden verfasst. Folgende Erkenntnisse dürfen heute als gesichert angesehen werden:

750 nach Christus
In der Ostkirche ist ein Nikolaus-Kult seit dem 6. Jahrhundert belegbar. In Russland ist der Heilige seit alters her der Patron der Bauern, Bierbrauer und Schnapsbrenner (das russiche Wort für "sich betrinken" heisst kurioserweise "nikolitjsja"). Erste, noch erhaltene schriftliche Aufzeichnungen "Vitae St. Nikolaus" über das Leben des Nikolaus in Konstantinopel. Heute sind über den St. Nikolaus 42 Legenden bekannt. Die wichtigsten sind:

Stratelatenwunder  während Lebzeiten, Erscheinen vor dem Kaiser in Konstantinopel
-> Patron der Verdächtigen und Gefangenen
Ausstattung der
drei Jungfrauen
 verschenkt drei Goldkugeln zur Sicherung der Heirat der drei Nachbarstöchter
-> Patron der Liebenden und Heiratswilligen
Stillung des Sturms   Rettung eines Handelsschiffes aus Seenot
-> Patron der Schiffer, Fischer und Handlungsreisenden.
Kornvermehrung   Rettung der Stadt Myra vor der Hungersnot
-> Patron der Getreidehändler und Bäcker
Wundertätiges Bild   ein sprechendes Nikolausbild sorgt dafür, dass Diebe das gestohlene Gut zurückbringen
-> Patron der Diebe, Bewahrer vor Diebstahl
Erweckung der
drei Jünglinge
  Salzfass - eingepöckelte Jünglinge - führte zum heutigen Brauchtum der Familieneinkehr
-> Patron der Reisenden und der Schüler

1087 nach Christus
Italienische Fischer stehlen in Myra die Gebeine des Nikolaus, um sie vor den Türken zu retten, welche Myra erobert haben. Sie überführen sie nach Bari/Italien (9. Mai = Tag der Überführung). Diese werden in der speziell dafür erbauten Kirche S. Nicola in Bari beigesetzt. Von hier aus werden Klein-Reliquien in ganz Europa verteilt. Kirchen wie die Kathedrale in Freiburg/Schweiz oder die Kirche in St. Nicolas sur Port in Frankreich erhalten solche Reliquien und werden zu bekannten Wallfahrtsorten. In St. Nicolas sur Port wurden im Jahre 1600 über 200'000 Pilger gezählt. Die Pflege des Nikolauskult wird zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor für diese Wahlfahrtsorte.

1200 nach Christus
Im Mittelalter sind Mysterienspiele um die Figur des St. Nikolaus in Klöstern bekannt. Die älteste Schrift in der Schweiz befindet sich im Kloster Einsiedeln. Das nur noch bruchstückhaft erhaltene Werk beschreibt die Wiedererweckung der drei zerstückelten Jünglinge. Entwicklung des Brauchtums zur Wahl von Kinderbischöfen in der Vorweihnachtszeit. Es erfolgt eine Vermischung von germanischen Mythen und Bräuchen mit dem Nikolausbrauch. Als Folge davon werden die Bischöfe meist Dämonenhorden begleitet, die für Angst und Schrecken sorgen. Diese Auftritte erstreckten sich oft über mehrere Tage resp. Wochen.

1435 nach Christus
In Basel werden die Auftritte der Kinderbischöfe nach Auswüchsen (übermässiger Alkoholgenuss der Akteure, zu realistische Darstellung der Dämonen) verboten.

1700 nach Christus
Im Klostertagebuch des Klosters Einsiedeln wird die Wahl eines Jungen zum Nikolaus beschrieben. Dieser hielt Gericht und beschenkte seine Mitschüler jeweils am 6. Dezember. Der Samichlauskult verbreitete und entwickelte sich weiter - die bei uns heute bekannte Form des Einkehrbrauches entwickelte sich vor allem nach der Reformation. Die Namensgebung im europäischen Raum ist heute so vielfältig wie das Erscheinungsbild des Nikolaus. Der bei uns bekannte Kaputzenchlaus entwickelte sich in den letzten 100 Jahren in den reformierten Landesteilen. Der St. Nikolaus wird bei uns heute durch den Schmutzli begleitet - ursprünglich Verkörperung des Bösen und Überreste der Dämonenbegleiter der Kinderbischöfe.

1900 nach Christus
Um 1900 beginnen sich neue Bräuche um den Samichlaus zu formen, so u.a. das Chlausjagen in der Innerschweiz, Lichterkläuse in Küsnacht etc. Das Klausen in den Familien wird z.T. noch recht rauh durchgeführt. Diese Tatsache führt dazu, dass nach dem zweiten Weltkrieg Samichlaus-Gesellschaften gegründet werden, die der Samichlaus-Idee nachleben und für würdige Feiern sorgen wollen.

Heute
Die Samichlaus-Idee lebt! Heute heisst es noch im russichen Volksglauben: "Wenn Gott stirbt, so werden wir den heiligen Nikolaus zum lieben Gott machen". Der "Prokurist Gottes" hat es trotz kommerzieller Interessen und Verwendung als Werbeträger geschafft, weiterhin das zu bleiben, was wir an ihm so lieben: ein liebenswürdiger Helfer und grosser Freund der Kinder. Sorgen wir dafür, dass dies so bleibt und dass der Nikolaus auch bei uns weiter schnell, unbürokratisch und tatkräftig helfen kann!

 
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